Das Segensreiche Feuer

 

Schon seit vielen Jahrhunderten senkt sich in Jerusalem am Ostersamstag auf das Grab des Herrn ein Segensreiches Feuer herab. Mittels dieses sich jedes Jahr vollziehenden Wunders gibt uns Gott der Herr deutlich zu verstehen, daß Ihm unser orthodoxer Kirchenkalender gefällig ist. Gemäß einem uralten Brauch werden am Vorabend dieses Tages in der Kirche zu Christi Auferstehung alle Lichter gelöscht. Am Ostersamstag betritt der Patriarch von Jerusalem etwa um ein Uhr mittags die Grotte mit dem Lebenspendenden Grabe des Herrn. Er hält nicht angezündete Kerzen in der Hand und verrichtet ein Gebet. Nach ein paar Augenblicken kommt vom Himmel ein Segensreiches Feuer herab. Daran entzündet der Patriarch die Kerzen und überreicht sie den betenden Menschen in der Kirche. Das ist ein ganz außergewöhnliches Feuer, denn in der ersten Zeit nach seiner wunderbaren Herabkunft versengt es gar nicht. Im vorigen Jahrhundert hatte sich eine bemerkenswerte Begebenheit zugetragen. Einmal wollten sich Andersgläubige des Segensreichen Feuers bemächtigen, und ließen die orthodoxen Gläubigen nicht zum Grabe des Herrn heran. Da kam das Segensreiche Feuer auf einmal aus einer Kirchensäule hervor, wo die Orthodoxen beteten, und zündete die Kerzen des Patriarchen und des Volkes an.

 

Die heilige Überlieferung

O Timotheus! Bewahre, was dir anvertraut ist,
und meide die ungeistlichen, losen Geschwätze
und das Gezänke der fälschlich sogenannten Erkenntnis,
zu welcher sich etliche bekennen und irren ab vom Glauben
.   [1. Tim. 6,20-21]

I

Sechstes Ökumenisches Konzil ( im Jahre 680), Verordnung 8 :
- "Jegliche Neuerung und jedes Tun wider die Kirchenüberlieferung, die Lehre und die Regeln der des seligen Andenkens würdigen heiligen Väter, seien dreimal verflucht."

Siebentes Ökumenisches Konzil (im Jahre 787), Verordnungen:
- " Alle, die gegen Kirchenüberlieferung, die lehre und die Vorschriften der ewig denkwürdigen heiligen Väter auftreten, sind nach wie vor mit dem Bannfluch zu belegen".

Landeskonzil von Gangre (im Jahre 340), Regel 21 :
- "Wer in der Kirche Neuerungen einführen will, denen setzen wir Schranken... , wir wünschen in der Kirche alle zu sehen, die sich an die Göttlichen Schriften und an die Überlieferungen der Apostel halten."

Diese Regeln hat Bischof Nikodim von Dalmatien und Istrien (gest. 1915) folgendermaßen ausgelegt: -" Die Väter dieses Konzils ordneten an, die heilige Kirche vor Novitäten zu bewahren und dafür zu sorgen, dass alles, was von der Heiligen Schrift und der Überlieferung der Apostel vorgeschrieben wird, heilig und unversehrt bleibe, denn anderenfalls werde ein Weg gebahnt für religiöse Gemeinschaften, die sich nicht als Kirche bezeichnen können."


Rundschreiben der vier Östlichen Patriarchen (1884) :
- " Unser Glaube ist nicht vom Menschen und nicht durch den Menschen gekommen, sondern vermittels der Offenbarung Jesu Christi, welche die Göttlichen Apostel verkündigt, die Heiligen Ökumenischen Konzile bekräftigt, die größen, weisen Lehrer der Welt weitergegeben, und die Märtyrer durch ihrem Blut besiegelt haben. Halten wir uns weiterhin an unser Glaubensbekenntnis, das wir von so vielen bedeutenden Männern in reiner Form übernommen haben, und lehnen wir jegliche Neuerung als eine Einflüsterung des Bösen ab... Wer es wagt, dem zuwider zu handeln, der hat bereits dem Christlichen Glauben entsagt, und sich durch Lästerung des Heiligen Geistes der ewigen Verdammnis ausgesetzt. Alle Neurer, seien es Ketzer oder Spalter, ziehen also freiwillig den Fluch an wie ihre Hemd (Ps.108,18), und das betrifft alle: Päpste, Patriarchen, Kleriker und Laien... Nicht wir sprechen heute diesen furchtbaren Fluch aus, sondern das hat vor allem unser Erlöser, hat der Göttliche Paulus in seinem Brief an die Galater getan. Das gleiche haben auch die sieben Ökumenischen Konzile und eine ganze Schar von Gott-erleuchtenden Väter ausgesprochen." (Darunter stehen die Unterschriften von Patriarchen und Mitgliedern ihres Synods : Anthymos von Konstantinopel, Jerotheus von Alexandria, Methodios von Antiochien und Kyrillos von Jerusalem).

Der ehrwürdige Seraphim von Sarow (gest. 1833) : - " Was die Heilige Kirche akzeptiert hat, das muß einem jedem Christenherz lieb und teuer sein. Was die Kirche und den Sieben Ökumenischen Konzilien anordnete, ist zu erfüllen. Schlimm wird es dem ergehen, der hierbei ein Wort hinzufügt oder wegläßt."

Erzbischof Nikon von Wologda (gest. 1917) : - " In letzter Zeit sind so manche auf Umwandlungen aus, wir klügeln allzu viel herum und legen auch schon an die Kirche selbst einen entsprechenden Maßstab an. Dabei vergessen wir ganz, daß sie nicht von dieser Welt ist, wie der Herr zu Pilatus gesagt hat, daß ihr Fundament unantastbar ist. Und wer es trotzdem tut, der begeht einen größen Frevel, denn dieses Fundament ist ewig wie die Kirche selbst, und wer sich davon lossagt, ist bereits von der Kirche ausgeschieden und kein Christ mehr... Davor sollen sich alle unsere "Erneuerer", "Beleber" und "Umgestalter" des Kirchenlebens in acht nehmen, wenn sie getreue Söhne der Orthodoxen Kirche bleiben wollen. Sind sie ihre Söhne, so müssen sie ihr vor allen Dingen wie ein Sohn gehörchen, ansonsten werden sie Falschnamige sein, welche die Kirche innerlich spalten können".

 

Bischof Nikodim von Dalmatien : "Weicht man von den alten Gesetzen ab und verletzt auch nur eine von ihren Regeln, so verliert die Landeskirche die Gnade Gottes, wird sie zu eine spalterische Gemeinschaft."
Der hl. Johannes Chrysostomos (gest. 407) : "Ist eine Kirchenüberlieferung vorhanden, so braucht man nichts mehr weiter zu suchen".

Griechisches Steuermanbuch ("Pidallion") : "Wo es keine Richtschnur oder ein geschriebenes Gesetz gibt, da tut es an ihrer Stelle auch ein Brauch, der sich viele Jahre hindurch bewährt hat und dem geschriebenen Gesetz nicht zuwiderläuft."

- "Syntagma", ein kanonischer Sammelband aus dem 14. Jh., zusammengestellt von dem Mönchpriester Matthäus Wlastaris : "Um die Osterfeierlichkeiten richtig festzusetzen, müssen vier Bedingungen eingehalten werden:
1.) Diesem Fest muß das Frühlingsäquinoktium vorausgegangen sein.
2.) Danach mußte ein Vollmond folgen.
3.) Es muß am ersten Sonntag danach gefeiert werden.
4.) Dieses Fest darf zeitlich nicht mit den jüdischen Passah zusammenfallen".

Siebente Regel der heiligen Apostel : "Ganz gleich, wer es auch immer sein mag : ein Bischof oder ein Priester oder ein Diakon, jeder, der Ostern vor der Frühlings Tag und Nachtgleiche zusammen mit den Juden feiert, ist seines heiligen Ranges zu entkleiden".

Gemeinsame Verordnung in Konstantinopel unter den Patriarchen Jeremias II (1583) : "Da die Kirche des alten Rom sich über die Eitelkeit ihrer Astronomen zu freuen scheint und die vortrefflichen Bestimmungen über das Heilige Osterfest, das von den Christen der ganzen Erde gefeiert wird, wie es sich geziemt unbedachterweise abgeändert hat, werden sich daraus allerlei Versuchungen ergeben... Deshalb müssen wir darauf hinweisen, daß es so die hl. Väter bestimmt hatten. Wir haben dies mit dem Patriarchen von Alexandria und dem Patriarchen von Jerusalem und anderen Mitgliedern des Synods in Dusse Swjate besprochen und geklärt : Wer sich nicht an die Kirchenbräuche und daran hält, was die Sieben Ökumenischer Konzile über das Osterfest und den Kalender verordnet haben, sondern sich an die Gregorianische Ostertafel und den Gregorianischen Kalender halten will, der handelt zusammen mit den gottlosen Astronomen wider alle Bestimmungen der Heiligen Konzile und möchte sie abschwächen und verändern , er sei verflucht und aus der Christuskirche und aus der Gemeinschaft der Getreuen ausgestoßen. Ihr alle, orthodoxe und strenggläubige Christen, haltet euch an das, was man euch gelehrt hat, womit ihr geboren und groß geworden seid, und sollte es notwendig sein, so vergießet auch euer Blut, auf daß der väterliche Glaube und das Bekenntnis bewahrt bleiben. Seid auf der Hut, auf daß unser Herr Jesus Christus euch beistehe und unsere Gebete mit euch allen seien. Amen". (Jeremias II, Patriarch von Konstantinopel, Silvester, Partriarch von Alexandria, Sophronius, Patriarch von Jerusalem, und andere Erzpriester des Konzils das am 20. November 1583 stattgefunden hat).

 

II

 

Für uns rechtgläubige Menschen gehört die Benutzung des Orthodoxen Kalenders seit den Anfängen des Christentums zu den überkommenen altbewährten, guten Kirchenbräuchen.
Der ökumenische Patriarch Ioakim III (gest. 1904) : "Es ist ein wesentliches Merkmal der Orthodoxie und das A und 0 ihrer gesamten kanonischen Struktur, dass die jahrhundertealten Festlegungen unserer Väter nicht verletzt werden. Nur so sind die neuesten Bestrebungen, die, um mit den Worten des Apostels zu sprechen, von den irdischen und teuflischen Klügeleien ausgehen, zu verstehen. Denn ihrer Meinung nach soll das, was so viele Jahrhunderte lang gebührend bestanden hat, nicht in Kraft bleiben und auch für die übrige Zeit heilig sein."

Das Gesamtrussische Heilige Konzil (1917-1918) war sich bewußt, wie verderblich jegliche Annäherung an den gregorianischen Stil sei, und gab daher dem Julianischen Kalender den Vorzug. Es lehnte den neuen Stil entschieden ab und legte fest, sich bei der kirchlichen Zeitrechnung an den alten Stil zu halten.

Die vier Orthodoxen Bischofskonzile der ausländischen Russischen Kirche (1923, 1924, 1926 und 1931) verfügten ebenfalls den neuen Stil abzulehnen, denn die östlichen Patriarchen hatten 1583 und 1756 den neuen Stil verflucht. Und dieser Fluch ist auch heute noch gültig, denn das Konzil zu Nikäa hat ihn nicht aufgehoben.

Prof. W. Bolotow : "Ich verehre nach wie vor entschieden den Julianischen Kalender. Er ist außerordentlich einfach und, mit jeglichen Kalenderänderungen verglichen, weitaus wissenschaftlicher. Ich denke, die Kulturmission Rußlands in dieser Frage besteht darin, den Julianischen Kalender noch mehrere Jahrhunderte lang am Leben zu erhalten und somit den westlichen Völkern eine Abkehr von der unnötigen Gregorianischen Reform, und eine Rückkehr zu dem unverdorbenen alten Stil zu erleichtern."

Wir dürfen heute die katholische Wahrheit nicht mehr mittels des allgemein kirchlichen Bewußtseins ergründen, denn daran mangelt es uns zur Zeit, sondern wir müssen uns zu der gesamtkirchlichen Überlieferung hinwenden, denn in der alten Kirche hatte es bezüglich des Kirchenkalenders keine Unstimmigkeiten gegeben, zwischen allen hatte Eintracht geherrscht, was die Landeskonzile wiederholt bestätigt haben...

Anhand der Überlieferung müssen wir bestimmen, wer heute ein wahrhaftiger Sohn der Kirche und wer ein Spalter ist. Die Bewahrung der heiligen Überlieferung, - hatte Patriarch Ioakim III gesagt, ist ein Merkmal des rechten Glaubens...

Daraus läßt sich schlußfolgern:
1.) Die Kalenderfrage ist eine Sache des Glaubensbekenntnisses.
2.) Der alte Julianische Kalender ist kanonisch obligatorisch, insbesondere im Hinblick auf die Ostertafel und die Gottesdienstordnung.
3.) Der neue Gregorianische Kalender hingegen führt unweigerlich zu einer Abänderung der Ostertafel und der Gottesdienstordnung hin.


Ein Offener Brief an alle Kinder der Christuskirche, die sich an den Orthodoxen Kalender und an die Überlieferungen der Heiligen Katholischen Kirche halten (1929),  Innozenz, Erzbischof von Peking (gest. 1931) :
- "Wir haben die traurige Kunde vernommen, daß diejenigen, welche sich an die Überlieferungen der Heiligen Orthodoxen Kirche halten, von Seiten der falschen Brüder grausam verfolgt werden. Letztere wagen es unter dem Schutz der weltlichen Behörden, die Göttlichen Gesetze zu schmähen und zu beschimpfen. Diese Wölfe im Schafspelz, die sich für weise Leute und Aufklärer ausgeben, haben sich ohne jegliche Furcht vor Gott erdreistet, die Gesetze der Christuskirche zu korrigieren. Sie sind verblendet von dem Hochmut dieser Welt, sie dünken sich weiser als die Apostel und die heiligen Kirchenväter, mit deren Munde der Herr selbst geredet hat...
Sie behaupten, unser Orthodoxer Kalender sei von der astronomischen Wahrheit weit abgewichen, und daher sei es längst schon an der Zeit, zum Gregorianischen Kalender überzugehen, denn er sei von den Gelehrten für richtig befunden und von der ganzen gottesleugnerischen Welt akzeptiert worden. Beweisen können sie das allerdings nicht...


Haltlos sind auch die Behauptungen der Anhänger des neuen Stils, der Gregorianische Kalender wurde eingeführt, weil der Julianische Kalender einer Berichtigung bedurfte. Aber die Jesuiten, die Ende des 16. Jahrhunderts in der katholischen Kirche einen gewaltigen Einfluß gewonnen hatten, waren lediglich darauf aus, durch die Einführung des Gregorianischen Kalenders mit dem orthodoxen Osten endgültig so zu brechen, damit sogar die Feste zu verschiedenen Zeiten begangen würden. Ebenso wie diese wichtigsten Argumente sind auch die anderen zweitrangigen Beweisführungen der Anhänger des neuen Stils zugunsten des Gregorianischen Kalenders völlig fehl, wenn sie meinen, unser Orthodoxer Kalender und die Ostertafel seien auf die Sonne und nicht auf den Mond orientiert. Entweder wissen sie es nicht oder verschweigen sie es vorsätzlich, aber unserem Orthodoxen Kalender wurde der Mondkalender zugrunde gelegt. Wir orthodoxen Christen feiern Ostern keineswegs nach den Weisungen des Gregorianischen oder des Julianischen Kalenders, sondern gemäß dem biblischen Kalender, wie das alttestamentliche Israel in Befolgung der durch Mose verkündeten Gebote Gottes Passah gefeiert hatte.

Die Neutestamentliche, die Orthodoxe Kirche gedenkt der Worte des Erlösers: Bis daß Himmel und Erde vergeh, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis daß es alles geschehe (Mt. 5, 18),  und wahrt heilig den alten Brauch, Ostern nach dem Mondkalender zu feiern.
Wie hatte unser Erlöser Jesus Christus auf Erden gelebt?
Er hat gleichfalls nach dem altbiblischen Mondkalender gelebt. Zusammen mit dem alttestamentlichen Israel war Er im Nissan, dem ersten Monat des jüdischen Jahres, bei Vollmond nach Jerusalem zum Passionsfest gekommen. Zu dieser Zeit wurde Er auch verraten, abgeurteilt und gekreuzigt.
Somit sind der Tod und die Auferstehung des Erlösers untrennbar mit dem jüdischen Passah verbunden und müssen danach erfolgen. Daher wurde es bereits im ersten Jahrhundert des Christentums Brauch, die Karwoche, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersamstag nach dem jüdischen Passah zu feiern. Und so hält es die heilige Kirche bis auf den heutigen Tag. Damit diese Reihenfolge für ewig beibehalten werde, legten die hl. Apostel fest, Ostern nach dem jüdischen Passahfest, nach der Frühlings Tagundnachtgleiche zu feiern. Da das Äquinoktium auf den September und den März fällt, und das neue Jahr seit uralten Zeiten entweder im September oder im März begonnen hatte, so konnte Ostern, da es nach dem Äquinoktium gefeiert wird, niemals auf das Jahresende fallen. Von dieser Regel ist die heilige Kirche niemals abgewichen; hatte es auch manchmal Meinungsverschiedenheiten gegeben, so nur darüber, ob man Ostern gleichzeitig mit dem jüdischen Passahtest feiern könnte.
In dieser Frage schaffte das Antiochische Konzil Klarheit :
Es verfügte, hinsichtlich der Osterzeit habe man sich an die Regeln der Apostel zu halten. Später, im 4. Jh., würde eine Orthodoxe Ostertafel zusammengestellt. Das tat die gelehrteste Kirche des Altertums, die von Alexandria. Mit ihr verglichen, waren die katholischen Reformatoren des 16. Jh. nur dreiste Stümper, die ihr hochvollkommenes Werk entstellten.

Mit der Zusammenstellung der Ostertafel wurde das Ziel verfolgt, daß Ostern überall zu gleicher Zeit zu feiern sei und dabei immer strikt die Apostolische Regel eingehalten wurde: nämlich Ostern niemals vor oder gleichzeitig mit dem jüdischen Passah zu feiern. Den Schöpfern der Ostertafel war hinreichend bekannt, daß der Julianische Kalender, den sie mit dem jüdischen Mondkalender in Übereinstimmung gebracht hatten, ungenau ist, aber der Mondkalender war es auch, das wußten sie. Der Fehler des Julianischen Kalenders korrigiert den Fehler des Mondkalenders aber dermaßen genau, daß die Abweichung in unserer Ostertafel, wie der Astronom Predterschenski bezeugte, innerhalb von 1900 Jahren nicht mehr als drei Stunden beträgt...

Aber auch ohne Ostertafel und spezielle Berechnungen kann jeder Orthodoxe ohne weiteres das Datum des Osterfestes bestimmen : möge er darauf achten, in welche Richtung sich die Schatten bei Sonnenaufgang hinbewegen, und sich den Tag merken, wenn die Schatten direkt nach Westen fallen werden. Das wird der Tag des Äquinoktiums sein. Danach muß er den Mond beobachten und den Tag festhalten, wenn der Mond im Osten aufgeht, während die Sonne zugleich im Westen untergeht, und umgekehrt. An diesem Tag, wenn der Vollmond die ganze Nacht hindurch leuchtet, wird das jüdische Passahfest gefeiert. An dem Donnerstag, der dem Vollmond folgt, beginnt dann das christliche Ostern, das bis Sonntag dauert. Dabei muß man sich merken, daß der Vollmond nur dann auf Ostern Bezug hat, wenn er nicht früher als zehn Tage nach dem Äquinoktium eintritt, d. h. nicht vor dem 18 März. Am frühesten wird Ostern sein, wenn der Vollmond auf Mittwoch, den 18. März, fällt. Am 19. März wird dann Gründonnerstag und am 22. März, Ostersonntag sein. Setzt der Vollmond ein paar Tage vor dem 18. März ein, so wird Ostern auf April verschoben: als Ostervollmond wird dann der Vollmond am 18. April gelten, auf diesen Tag entfällt dann auch das jüdische Passionsfest. Ist dieser Tag ein Sonntag, so beginnt die Karwoche am Donnerstag, dem 22. April, und Ostersonntag wird am 25. April gefeiert; das sind die spätesten Ostern. Somit kann jeder auch ohne Kalender ganz genau herausfinden, wann unser Orthodoxes Ostern gefeiert wird. Wir können uns also mit ruhigem Gewissen an unseren Orthodoxen Kalender und an die Ostertafel halten; auf diese Weise werden wir Ostern niemals früher als die Juden, oder mit ihnen zugleich feiern, und auch nicht gegen die Heiligen Kanons verstoßen.

Genauer gesagt, liegt unserem Orthodoxen Kalender weder der Julianische noch der Mondkalender zugrunde, sondern eine nach Wochen bemessene Zeitrechnung. Das sehen wir deutlich an unseren Gottesdienstbüchern, wo die Zeitrechnung wöchentlich erfolgt. Seit der Erschaffung der Welt beenden wir unser Werk am sechsten Tag, den siebenten widmen wir Gott... Aber die sich hartnäckig sträubenden Anhänger des neuen Stils werden wir nicht überzeugen können. Auch wenn wir noch gewichtigere Einwände gegen ihre Reform erhöhen, so würden sie trotzdem nicht den wahren Worten glauben. Anders kann es auch gar nicht sein, denn sie heucheln nur Liebe und tun so, als seien sie um das Wohl der Kirche besorgt. In Wirklichkeit lassen sie sich jedoch von ganz anderen, keineswegs religiösen Zielen leiten, denn sie gehorchen den Weisungen jener Leute, die schon viele Jahrhunderte lang die Grundpfeiler der Christuskirche untergraben möchten. Nicht an der Einführung des Gregorianischen Kalenders ist ihnen gelegen, sondern daran, unseren Orthodoxen Kalender abzuschaffen und somit die Gläubigen miteinander zu entzweien und die Bruderliebe zu tilgen. Sie haben die Hand erhoben gegen unsere Kirchenbräuche, Bräuche, welche die Väter überliefert haben und welche die Zeit geheiligt haben, denn die Diener des Gebieters dieser Welt wissen nur allzu gut, daß unsere Orthodoxe Kirche gerade durch ihre Bräuche stark und mächtig ist. Sie wissen auch ausgezeichnet, daß die Göttlichen Kanons heilig und weise sind, und sie unsere Heilige Kirche wie eine unbezwingbare Mauer gegen den verdorbenen Geist dieser Welt und gegen alle schützen, die das Siegel des Antichristen tragen.
Die Widersacher von Jesus Christus haben unermüdlich und hartnäckig an den Grundfesten Seiner Heiligen Kirche gerüttelt, um an ihrer Stelle einen anderen Tempel, eine Art Heiligtum der sich selbst vergötternden Menschheit zu errichten. Daher soll niemand denken, wir stritten uns um Zeiten, um Monate und Tage und erduldeten wegen Vollmonde und Äquinoktien allerlei Unbilden. Nein, wir treten für die Heilige Kirche ein, nehmen sie vor den höllischen Kräften in Schutz. Die Widersacher von Jesus Christus wissen, wie hochbedeutsam es für die Nation und die Kirche ist, daß die Feier- und Fastentage zu einer bestimmten, für alle verbindlichen Zeit festgesetzt werden. Sie wissen, das ist für die Nation, den Staat und umsomehr für die Kirche das allerstärkste Bindeglied.
Möge uns keiner sagen, wir kämpften gegen Luft an ! Nein. Der Herr hat uns für würdig befunden, für Seinen Namen zu streiten. Ruhm und Ehre allen denen, die Verfolgungen und Entbehrungen auf sich nahmen! Ewig gepriesen seien alle, denen der Herr die Märtyrerkrone zuteil werden ließ!

In der Christuskirche ist alles wichtig und bedeutsam, denn in jedem Brauch verkörpert sich der Heilige Geist, der die Kirche leben und atmen läßt. Ein jeder, der es wagt, sich gegen die auf der Heiligen Überlieferung und Schrift beruhenden kirchlichen Bräuche und Gesetze zu erheben, der erhebt sich wider den Heiligen Geist und offenbart allen die Augen haben um zu sehen, wessen Geistes er ist. Und die heilige Kirche handelt richtig, wenn sie solche Leute verfemt.

Ich flehe den Herrn an, möge er die Schwachen stärken, die Verirrten wieder auf den rechten Weg hinführen und Seinen Getreuen einen Weg in die höheren Regionen bereiten!